Mitten in Geisingen, dort, wo einst 13 Gasthäuser die Hauptstraße säumten, steht eines der ältesten noch erhaltenen: die Krone. Mehr als zwölf Jahre lang war das denkmalgeschützte Gebäude sich selbst überlassen, bevor es gerettet und neu gedacht wurde. Heute ist 1280 Die Krone ein Boutiquehotel, das seine Vergangenheit nicht inszeniert, sondern sie respektvoll weiterträgt.
Initiator des Projekts ist der Geisinger Unternehmer Christoph von Botmar, der eine Leidenschaft für historische Bausubstanz hat. Sein Ziel war von Beginn an klar: Die Krone sollte wieder das werden, was sie immer war – ein Ort der Begegnung, der Gastlichkeit und des Zusammenseins. Für den operativen Betrieb suchte er bewusst Menschen, die diese Haltung teilen. So trafen schließlich Persönlichkeiten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich gerade deshalb ideal ergänzen: Robert Müller, alt eingesessener Gastronom aus Überzeugung, und Stefanie Baintner, engagierte Quereinsteigerin aus der Eventbranche, die bereit war, neue Wege zu gehen.

Hotelkonzept – radikal hinterfragt
Während der viereinhalbjährigen Umbauphase – begonnen noch vor Corona – wurde viel diskutiert, geplant, verworfen und neu gedacht. Immer wieder stand dieselbe Frage im Raum: Was braucht ein Gast wirklich, um sich wohlzufühlen? Wie verbringt man Zeit in einem Haus, das mehr sein will als nur Unterkunft? Klassische Hotelkonventionen wurden dabei konsequent hinterfragt. Viele der üblichen Einrichtungsdetails erwiesen sich schnell als entbehrlich. Wer hat nicht schon einmal Dekokissen und Bettläufer genervt beiseitegelegt oder sich über abgenutzte Teppiche geärgert? Aus diesen Überlegungen entstand ein mutiges, reduziertes Konzept: Schreibtisch – ja. Kleiderschrank – nein. Statt fest installierter Bildschirme gibt es mobile Fernseher, die bei Bedarf ins Zimmer geschoben werden. Und auch offene Badlösungen sind kein Tabu, sondern Ausdruck eines klaren gestalterischen Willens.

Architektur – Historie, modern gespiegelt
Die architektonische Leitidee ist ebenso einfach wie konsequent: Alles Alte bleibt alt. Nichts Historisches wird kopiert oder romantisiert. Ergänzt wird die bestehende Substanz durch klare, moderne Materialien wie Stahl, Glas und Spiegel. Sie eröffnen neue Perspektiven und lassen die historische Bausubstanz aus ungewohnten Blickwinkeln erscheinen. Gezielt eingesetztes mattgoldglänzendes Messing und ein durchdachtes Beleuchtungskonzept setzen hochwertige Akzente. Das Ergebnis ist ein spannungsvolles Wechselspiel aus Vergangenheit und Gegenwart.

Die Inneneinrichtung entstand größtenteils in enger Zusammenarbeit mit regionalen Handwerksbetrieben. Rund 80 Prozent aller Möbel und Einbauten sind Maßanfertigungen von Schreinern, Schlossereien und Polsterern aus Geisingen und dem näheren Umkreis. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Notwendigkeit: Schiefe Wände, unebene Böden und individuelle Raumzuschnitte ließen Standardlösungen kaum zu. Genau daraus wurde eine Stärke: individuelle und funktional durchdachte Zimmer, Restaurant mit Wohnzimmeratmosphäre am großen Kachelofen, verwinkelte Gänge, ruhige Nischen, überraschende Blickachsen – und als optischen Höhepunkt eine Bar, die innenarchitektonisch ihresgleichen sucht.

Die mutige Verbindung mehrerer Gebäudeteile über Brücken, Terrassen und Plateaus schuf auf mehreren Ebenen Freiräume, die zum Verweilen, Feiern, Sonnen oder einfach zum Genießen des Blicks über den Ort und die umliegende Landschaft einladen.
Kulinarik – zwei Häuser, zwei Handschriften
Kulinarisch lebt 1280 Die Krone von einer besonderen Konstellation. Direkt nebenan liegt das Restaurant zum Hecht, das Robert Müller vor 27 Jahren von seinen Eltern übernommen hat. Es steht für eine gehobene, regional verwurzelte Küche mit mediterranen Einflüssen. Um dieses etablierte Konzept nicht zu verwässern, entstand im Hotel bewusst ein zweiter gastronomischer Pol: Agatha. Was zunächst als Lösung für die Schließtage des Hechts gedacht war, entwickelte sich rasch zu einer eigenständigen Küche. Geprägt wird sie von Köchin Jamie Dosterschill, deren jamaikanische Wurzeln ebenso einfließen wie regionale Produkte. Serviert wird meist im Sharing-Style – wie früher in Bauern- und Gaststuben, jedoch zeitgemäß interpretiert.

1280 Die Krone – Ein Wohnzimmer für Gäste und Geisinger
Dieses Konzept bringt Einheimische und Gäste gleichermaßen zusammen. Die Krone fühlt sich nicht wie ein anonymes Hotel an, sondern wie ein großes Wohnzimmer. Einheimische sind beim Frühstück ebenso willkommen wie Hotelgäste bei Yoga-Brunches, Weinverkostungen, Kochkursen oder einfach beim geselligen Zusammensitzen. Für die kommenden Jahre sind zudem kulturelle Formate geplant – Lesungen, Workshops und Ausstellungen. „Wir haben das Privileg, die wertvollste Zeit von Menschen zu gestalten – ihre Freizeit“, bringt es Stefanie Baintner auf den Punkt. Und genau dieses Bewusstsein spürt man hier in jedem Detail.
Die Gäste, die heute in der Krone ankommen, sind genau jene, die sich das Team gewünscht hat. Unter der Woche prägen Geschäftsreisende aus der Medizintechnikregion Tuttlingen das Bild. Am Wochenende dominieren Genuss- und Architekturinteressierte, Paare ebenso wie Alleinreisende, die für ein oder zwei Nächte bleiben und das Haus bewusst erleben möchten. Hinzu kommen Aktivurlauber, die Schwarzwald, Donautal und Bodensee miteinander verbinden – alles in 15 bis 30 Minuten erreichbar. Nicht zuletzt hat sich die Krone als idealer Zwischenstopp für Reisende aus Nord- und Westeuropa etabliert, die auf dem Weg in den Süden sind.
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Bilder: ©1280 Die Krone, Verena Proebst, Ines Janas, Jessica Bachmann
