Crash to Carry – Wie Airpaq aus Auto-Airbags urbane Ikonen machen

Ein ausgelöster Airbag auf einem Schrottplatz in Rotterdam. Was für die meisten wie Abfall aussieht, wurde für Adrian Goosses und Michael Widmann (Titelbild) zum Aha-Moment. Während ihres Studiums wollten sie ein eigenes, nachhaltiges Unternehmen gründen – und stellten sich eine einfache Frage: Welche Materialien werden weggeworfen, obwohl sie noch nutzbar sind? Die Antwort hing buchstäblich aus einem Lenkrad. Heute steht Airpaq für urbane Rucksäcke und Accessoires aus recycelten Airbags und weiteren Restmaterialien der Automobilindustrie. Im Interview sprechen die Gründer über ihren „Magic Moment“, Design ohne Designausbildung und darüber, warum Nachhaltigkeit für sie vor allem Pragmatismus bedeutet.

Adrian und Michael, wie ist die Idee zu Airpaq entstanden – gab es einen konkreten Moment?

Die Idee ist während unseres Studiums in Rotterdam entstanden. Wir wollten etwas Eigenes und zugleich Nachhaltiges aufbauen und haben uns gefragt, wo Materialien weggeworfen werden, die eigentlich noch nutzbar sind. Auf einem Schrottplatz haben wir dann einen ausgelösten Airbag gesehen, der aus einem Lenkrad hing. Er hatte bereits eine Form, die stark an einen Rucksack erinnerte. Das war unser „Magic Moment“: Wir dachten sofort, aus diesem Material lässt sich doch noch etwas machen. Zurück in unserer WG haben wir eine Nähmaschine organisiert und einfach angefangen. Keiner von uns konnte nähen. Es ging von Prototyp zu Prototyp, bis klar wurde, dass daraus ein funktionierendes Produkt entstehen kann.

Airpaq – Vom Schrottplatz zum Statement-Piece

Airpaq-Produkte haben einen sehr klaren, urbanen Look – wie entsteht das Design?

Am Anfang eher zufällig. Wir hatten keine Designausbildung und konnten nicht nähen. Also haben wir einfach ausprobiert. Der erste Rucksack war funktional und reduziert – für große Design-Experimente fehlte uns schlicht das Können. Das minimalistische Design kam jedoch gut an und ist bis heute eines unserer meistverkauften Produkte. Heute arbeiten wir mit Designern zusammen, die unsere Materialien verstehen und den Look weiterentwickeln, ohne den Kern der Marke zu verlieren.

Warum habt ihr euch bewusst für Ausschussware der Autoindustrie wie alte Auto-Airbags entschieden?

Die ursprüngliche Idee entstand durch einen ganz normalen, bereits genutzten Airbag. Für die Serienproduktion arbeiten wir heute mit Ausschussware aus der Autoindustrie. Diese Materialien erfüllen die extrem strengen Anforderungen der Industrie nicht mehr – für Taschen sind sie jedoch mehr als geeignet. Sie sind robust, langlebig und bereits produziert. Für uns war klar: Es ist sinnvoller, vorhandene Ressourcen zu nutzen, als neue Materialien herzustellen.

Was ist das Besondere an der EpiQ-Kollektion?

EpiQ folgt demselben Prinzip, setzt jedoch auf andere Materialien. Hier verwenden wir besonders hochwertige Stoffe aus Fahrzeuginnenräumen, die ebenfalls aussortiert werden. Die Idee bleibt Upcycling, doch durch die Materialität erhalten die Produkte einen besonders exklusiven Look.

Nachhaltigkeit ist heute ein stark genutzter Begriff. Was bedeutet sie für Airpaq konkret?

Für uns ist Nachhaltigkeit sehr pragmatisch gedacht: Weniger ist mehr. Es geht darum, Materialien zu nutzen, die bereits existieren, anstatt neue Ressourcen zu verbrauchen. Gleichzeitig setzen wir bei allen Komponenten auf Qualität, um Produkte zu entwickeln, die lange genutzt werden können und unserem Planeten möglichst wenig schaden.

Airpaq

Wie stellt ihr sicher, dass Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette gelebt wird?

Wir halten unsere Prozesse bewusst überschaubar. Wir produzieren in Europa, arbeiten mit festen Partnern und setzen auf kurze Wege. So behalten wir die Kontrolle über Qualität und Produktionsbedingungen. Wir verwenden zertifizierte Farben, versuchen den Abfall in der Produktion möglichst gering zu halten und versenden plastikfrei sowie klimaneutral. Der wichtigste Punkt bleibt jedoch das Produkt selbst: Es soll lange halten, Ressourcen retten und möglichst zeitlos sein.

Eure Brand engagiert sich auch gesellschaftlich mit besonderen Kollektionen. Was steckt dahinter?

Für uns ist Nachhaltigkeit kein isoliertes Thema, sondern Teil eines größeren Verständnisses von Verantwortung. Wenn man sich entscheidet, Ressourcen zu retten und Dinge anders zu machen, stellt sich automatisch die Frage: Wofür nutzen wir unsere Reichweite? Unsere thematischen Kollektionen entstehen genau aus diesem Gedanken. Wir wollen nicht nur Produkte verkaufen, sondern Aufmerksamkeit auf gesellschaftlich relevante Themen lenken – sei es Tierschutz, demokratische Teilhabe oder andere Fragen, bei denen Wegsehen keine Option ist. Wichtig ist uns, dass es nicht bei Symbolik bleibt. Die Kollektionen sind klar in ihrer Botschaft, zeitlich begrenzt und mit konkreten Partnern oder Aktionen verbunden. Wir glauben nicht daran, jede Woche ein neues Statement zu setzen, sondern gezielt dann Haltung zu zeigen, wenn wir wirklich etwas beitragen können. Kurz gesagt: Wenn man Verantwortung ernst nimmt, hört sie nicht beim Material auf.

Airpaq

Welches ist euer persönliches Lieblingsprodukt?

Der Rolltop. Er ist in unserer WG entstanden und war unser erstes richtiges Produkt. Er steht für den Anfang von Airpaq und ist bis heute Teil unseres Sortiments.


Wir verlosen einen grauen Weekender von Airpaq im Wert von 189 Euro.

Airpaq

Am Gewinnspiel nehmen alle Einsender einer E-Mail mit dem Betreff „Airpaq“ an gewinnspiel@wort-sport.de teil.

Teilnahme ab 18 Jahren. Hier geht es zu den kompletten Teilnahmebedingungen.

Einsendeschluss ist Sonntag, der 03.03.2026.

Wir wünschen viel Glück!


Schnell zum Luxus: airpaq.de

Bilder: ©Airpaq

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