Wer den kleinen Laden von Kikooni in der Münchner Innenstadt betritt, taucht ein in eine Welt aus leuchtenden Farben, handgewebten Stoffen und jahrhundertealten Techniken. Hinter der Marke steht kein anonymes Label, sondern die persönliche Geschichte eines Mutter-Tochter-Duos – von Reisen, von einer gemeinsamen Vision und vom Wunsch, Handwerkskunst sichtbar zu machen.
Wie kam es zur Gründung von Kikooni – was war der Auslöser?
Die Idee zu Kikooni entstand aus einer langen persönlichen Reise – im wahrsten Sinne des Wortes. 2015 reisten wir als Familie nach Guatemala und verbrachten viel Zeit auf den lokalen Märkten. Die Farben, das traditionelle Handwerk und die Authentizität der Produkte haben uns tief beeindruckt. Doch eigentlich begann alles noch früher: Zahlreiche Reisen, insbesondere immer wieder nach Indien, haben uns geprägt. Wir durften unzählige Handwerkskünste kennenlernen und haben so viele mit Hingabe gefertigte Dinge gesehen, dass in uns der Wunsch wuchs, diesen Schätzen eine Bühne zu geben. Da ich selbst aus dem Designbereich komme und viele Jahre als Designerin und Produktmanagerin gearbeitet habe, entstand irgendwann der Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen – idealerweise gemeinsam mit meiner Mutter. Aus dieser Vision gründeten wir schließlich eine GbR. Kikooni ist heute eine Mischung aus unserer Reiselust, unserer Begeisterung für Farben und Formen, unserer Offenheit gegenüber unterschiedlichen Kulturen und unserem großen Respekt vor dem handwerklichen Know-how hinter jedem einzelnen Produkt. Von der Markenentwicklung über die Website bis hin zum Sourcing und Produktmanagement ist alles Schritt für Schritt aus eigener Hand entstanden – mit viel Herzblut und persönlichem Engagement.

Wie findet ihr eure Partnerinnen und Partner weltweit?
Viele unserer Produkte stammen aus kleinen Produktionen, Frauenkollektiven und familiengeführten Betrieben. Gerade in Guatemala und Teilen Südamerikas ist es jedoch nicht einfach, direkt passende Partner zu finden. Deshalb beginnt unsere Suche häufig mit intensiver Online-Recherche, um erste Kontakte zu knüpfen und Produktionen ausfindig zu machen. Wann immer möglich reisen wir anschließend selbst vor Ort. Uns ist es wichtig, die Arbeitsbedingungen kennenzulernen, die Menschen hinter den Produkten persönlich zu treffen und ein echtes Verständnis für ihre Arbeit zu entwickeln. Nur so entsteht für uns eine vertrauensvolle Basis. Über die Jahre sind daraus enge, langfristige Partnerschaften gewachsen. Aktuell arbeiten wir beispielsweise mit einem Frauenkollektiv in Indien zusammen, mit dem wir Jacken produzieren. Auch hier setzen wir auf persönlichen Austausch: Wir besuchen die Werkstätten, sprechen mit den Näherinnen und bleiben im engen Dialog. Für uns ist genau dieser direkte Kontakt der Schlüssel zu einer fairen, nachhaltigen und wertschätzenden Zusammenarbeit.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch konkret?
Nachhaltigkeit beginnt für uns beim Handwerk selbst. Unsere Produkte sind handgefertigt – handgewebt, handgenäht und mit großer Sorgfalt verarbeitet. Diese Herstellungsweise verleiht ihnen nicht nur eine besondere Wertigkeit, sondern sorgt auch für Langlebigkeit. Es sind keine Wegwerfprodukte, sondern Stücke, die viele Jahre begleiten können. Bei der Materialwahl setzen wir überwiegend auf Baumwolle. In einigen Kosmetiktaschen verwenden wir derzeit noch einen kleinen Polyesteranteil, um sie auslaufsicher zu machen, bewegen uns aber Schritt für Schritt in Richtung reiner Naturmaterialien. Transparenz und faire Produktionsbedingungen sind für uns essenziell. In Guatemala kennen wir die Produktionsstätten gut, erhalten regelmäßig Bild- und Videomaterial und planen erneute Besuche vor Ort. Auch in Indien überzeugen wir uns persönlich von den Bedingungen. Wir wissen, dass bei all unseren Partnern keine Kinderarbeit stattfindet und dass die Menschen fair behandelt werden. Auch beim Versand achten wir auf Nachhaltigkeit: Unsere Produkte werden plastikfrei verschickt, in Kartons und Recyclingmaterial. Natürlich lässt sich der Transport aus Übersee nicht vollständig vermeiden, doch wir bemühen uns um verantwortungsvolle Lösungen. Letztlich verstehen wir Nachhaltigkeit ganzheitlich: Unsere Produkte sollen langlebige Lieblingsstücke sein, die repariert und geschätzt werden. Und selbst wenn sie eines Tages ausgedient haben, bestehen sie größtenteils aus natürlichen Materialien wie Baumwolle. Gleichzeitig unterstützen wir traditionelle Handwerksbetriebe und tragen dazu bei, dass jahrhundertealte Techniken weitergeführt werden können.
Wie entscheidet ihr, welche Produkte ins Sortiment kommen?
Begonnen hat alles mit Taschen und Schmuck – bis heute sind sie unser Herzstück. Taschen bilden unser Hauptprodukt in unterschiedlichen Ausführungen. Schmuck ergänzt das Sortiment perfekt, weil Accessoires einem Outfit im Handumdrehen eine neue Wirkung verleihen können. Viele Entscheidungen entstehen intuitiv: Wir entdecken ein Stück und denken sofort „Das sollten wir haben!“ Anschließend prüfen wir, ob es zu unserer Linie passt. So sind beispielsweise auch unsere Jacken ins Sortiment gekommen. Mit der Kategorie Heim & Wohnen haben wir diese Idee weitergedacht. Genauso wie man sich selbst schmückt, kann man auch sein Zuhause mit besonderen Objekten verschönern. Kleine Veränderungen – Kissen, Textilien, Accessoires – geben einem Raum sofort Charakter, ohne gleich das gesamte Interieur austauschen zu müssen. Es geht immer darum, Freude, Farbe und Persönlichkeit in den Alltag zu bringen.
Wie wichtig ist euch die Geschichte hinter einem Produkt?
Die Geschichte hinter jedem Produkt ist für uns zentral – sie war sogar der Ausgangspunkt unserer Marke. Gerade in unserem Laden in der Münchner Innenstadt führen wir viele intensive Gespräche mit Kundinnen und Kunden, die sich genau dafür interessieren. Ein Beispiel ist der traditionelle indische Blockprint, der Holzstempeldruck – eines der ältesten Druckverfahren der Welt. Diese Technik wird seit Jahrhunderten angewendet, oft mit Naturfarben aus Granatapfel, Avocado oder anderen Pflanzen. Auch in Guatemala spielen traditionelle Web- und Färbetechniken eine große Rolle. Uns geht es nicht nur darum, Produkte zu verkaufen, sondern Wertschätzung zu vermitteln: Hinter jedem Stück stehen Menschen, die stundenlang daran arbeiten. Jedes Produkt trägt seine eigene Seele. Genau diese Authentizität möchten wir weitergeben.
Habt ihr persönliche Favoriten im Sortiment?
Ein einzelnes Lieblingsstück zu wählen, ist schwierig. Viele meiner Favoriten stammen aus Indien – das Land fasziniert uns als Familie seit Jahren mit seinem kulturellen Reichtum, seinen Textilien, Gewürzen und Traditionen. Besonders liebe ich handgefertigte Ohrringe oder die Kanthaschals – große, handbestickte Seidenstolas, von denen jedes ein Unikat ist. Auch unsere neuen Taschen aus Guatemala begeistern mich immer wieder: leuchtende Farben, beeindruckende Webkunst und eine unglaubliche Detailtiefe. Für mich ist es etwas Besonderes, wenn man ein Produkt genau betrachtet, die Handarbeit erkennt und es schließlich zu Hause stehen hat. Es ist mehr als ein Gegenstand – es ist ein Stück Kultur und Geschichte.

Wie habt ihr eure Rollen aufgeteilt?
Bis vor etwa einem Jahr haben wir tatsächlich alles selbst gemacht. Die Aufgabenverteilung war dabei klar: Meine Mutter kümmerte sich um Versand, Lagerung, Verpackung und die Kundenkommunikation – also um alles, was mit dem direkten Kontakt und der Auslieferung zu tun hatte. Ich selbst war verantwortlich für Sourcing, Design, die Kommunikation mit den Produktionspartnern, Grafik, Website und Produktpflege. Während ich im Hintergrund die Produkte von der Idee bis zur Verkaufsreife entwickelte, sorgte meine Mutter dafür, dass sie sicher und persönlich bei unseren Kundinnen und Kunden ankamen.
Wenn ihr einen Wunsch frei hättet für Kikooni?
Unser größter Wunsch ist, dass Kikooni weiter wächst – gesund, nachhaltig und im Einklang mit Familie und Alltag. Wir hoffen, dass immer mehr Menschen den Wert handgefertigter Produkte erkennen und den Unterschied zu schnell produzierter Massenware schätzen. Wir möchten neue Kooperationen eingehen, unsere Ideen Schritt für Schritt verwirklichen und dabei immer die Freude, das Handwerk und die Leidenschaft bewahren. Wenn Kikooni weiterhin Menschen begeistert und ihnen besondere Lieblingsstücke schenkt, dann haben wir unser Ziel erreicht.
Schnell zum Luxus: kikooni.com
Bilder: ©Kikooni
