Bis zum 19. Jahrhundert lag „Die Post“ (heute: Alte Posthalterei) an der einzigen Poststrecke von Wien nach Paris. Wer auf der Durchreise war, bettete sein müdes Haupt hier in Zusmarshausen. Die österreichische Erzherzogin Marie Antoinette war unter den Gästen, Feldherr Napoleon blieb gleich drei Nächte am Stück. Lag es vielleicht an der guten Verköstigung, dem schönen Ambiente, dem herzlichen Personal oder den urgemütlichen Betten?
Das wären zumindest unsere Argumente, warum wir am liebsten ein bisschen länger geblieben wären. Unweit von Augsburg, mitten im Naturpark Westliche Wälder gelegen, befindet sich die „Alte Posthalterei“. Gerade erst aufwendig renoviert und wiedereröffnet, entdeckt man hier jahrhundertelange Geschichte in neuem Glanz. Uriges Holz, alte Gemäuer und antike Gemälde treffen auf moderne Designelemente.

Egal, ob man im Kutscherzimmer oder im Fürstenzimmer Napoleon nächtigt, die Ausstattung ist durchweg modern. Sorgsam ausgewählte Interieurakzente versprühen jedoch einen Hauch davon, wie es hier war, als man noch mit der Postkutsche reiste. Modernste Meetingräume kamen bei der Renovierung dazu, benannt nach den großen Städten auf der früheren Poststrecke: Wien, München und Paris. Die Konferenzräume warten jeweils mit neuester Technologie auf, wuchern aber dennoch mit der Tradition des Hauses – ein beeindruckender Tagungstisch ist beispielsweise aus Original-Balken des 1648 erbauten Gebäudes gefertigt.

Alte Posthalterei – wo Gastlichkeit zu Hause ist – seit 1648
Geführt wird das Hotel von Familie Schumacher die sich gegen neun Mitbewerber – durchweg Hotelgruppen – durchgesetzt hat, die sich für die Führung der Alten Posthalterei beworben hatten. Und das ist gut so, denn dieses herzliche, familiäre Gefühl verspürt man im ganzen Haus. So fragt uns die Bedienung, als wir den Wein zum Dinner wählen: „Magst a Busserl?“ So heißt nämlich der neue Hauswein – ein feiner Grauburgunder – den das Pfälzer Weingut Emil Bauer und Söhne extra für die Alte Posthalterei abfüllt.

Dazu gibt es liebevoll angerichtete Speisen mit Namen wie „Farben des Sommers“ oder „Flower Bauer“. Küchenchefin Sandra Hofer legt nicht nur Wert auf hübsch dekorierte Teller, sondern auch auf regionale und saisonale Produkte. Mit nur 23 Jahren war sie bereits Deutsche und Mitteleuropäische Jugendmeisterin im Kochen, kochte unter Tohru Nakamura im Münchner Zwei-Sterne-Restaurant Geisels Werneckhof war in Neuseeland in der exklusiven Huka Lodge für die Pâtisserie verantwortlich. In der alten Posthalterei findet die 23-jährige Küchenmeisterin nun von der topmodernen Küche bis zu den stilvollen Gasträumen optimale Bedingungen für ihre hochwertigen Gerichte vor. Gut möglich also, dass in dem alten Gemäuer bald schon wieder die Post abgeht, wenn die eine oder andere kulinarische Auszeichnung eintrudelt.

Bilder: © Alte Posthalterei, Derk Hoberg, Jessica Bachmann
Weitere Impressionen aus dem Hotel Alte Posthalterei



