Wenn man über Porsche spricht, denkt man zuerst an ikonische Sportwagen. Doch die Designphilosophie des Hauses reicht weit darüber hinaus – bis ans Handgelenk. Gerhard J. Novak, General Manager Timepieces der Porsche Lifestyle Group, erklärt im Gespräch, wie aus einer Armaturenbrett-Inspiration eine Uhrenikone wurde, warum Schwarz so revolutionär war – und weshalb Individualisierung heute der Schlüssel zum Erfolg ist.
Fotos: ©Porsche Lifestyle Group
Am 19. März feierte Porsche Design die offizielle Eröffnung seiner neuen Uhrenmanufaktur im Schweizer Grenchen und bekräftigte damit sein langfristiges Engagement als eigenständiger Uhrenhersteller. Gemeinsam mit Markenbotschafter Orlando Bloom präsentierten führende Vertreter von Porsche Design die neuen Räumlichkeiten: Die Timepieces Manufaktur ist gleichermaßen Produktionsstätte und Markenerlebnisraum. Im Erdgeschoss befindet sich eine Ausstellungs- und Eventfläche, die die Entwicklung der Porsche Design Timepieces seit 1972 nachzeichnet.


Der Konfigurationsbereich, die sogenannte Fitting Lounge, bietet Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, ein custom-built Timepiece direkt vor Ort zu gestalten und nach der individuellen Fertigung dort abzuholen. In der gläsernen Manufaktur in den Obergeschossen haben Besucher zudem die Möglichkeit die versierten Uhrmacher bei ihrer filigranen Arbeit zu beobachten.


Wir sprachen mit Gerhard J. Novak, General Manager Timepieces der Porsche Lifestyle Group, über die über 50-jährige Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Porsche Design Timepices.
Herr Novak, wie begann eigentlich die Geschichte der Porsche Design Uhren?
Alles begann mit der Idee, die Funktionalität eines Fahrzeugs – konkret die Anzeigeinstrumente aus dem Porsche 911 der späten 60er- und 70er-Jahre – auf eine Uhr zu übertragen. Daraus entstand 1972 der Chronograph I, die weltweit erste komplett schwarze Armbanduhr. Die Idee kam von Ferdinand Alexander Porsche, dem Designer des Porsche 911 und Gründer von Porsche Design im gleichen Jahr.
Was machte Ferdinand Alexander Porsche als Designer so besonders?
Sein Leitsatz war, dass sich die Form aus der Funktion ergibt. Design darf kein Selbstzweck sein. Das war gerade in den 1960er-Jahren bemerkenswert, einer Zeit, in der vieles von Raumfahrt-Ästhetik geprägt war: Heckflossen an Autos, verspielte Formen, viel Dekoration. Und dann kam der 911 – reduziert, klar, funktional. Genau dieses Denken hat er auch auf die Uhr übertragen.

Warum war gerade eine schwarze Uhr damals so revolutionär?
In den 1970er-Jahren war alles bunt – auch Uhren. Und plötzlich kommt eine komplett matte, schwarze Uhr auf den Markt. Der Hintergrund war rein funktional: maximale Ablesbarkeit, keine Reflexionen, keine störenden Lichtspiegelungen – gerade bei schwierigen Bedingungen, etwa im Cockpit oder bei Nacht. Das war damals so ungewöhnlich, dass man sogar bezweifelte, ob sich eine schwarze Uhr überhaupt verkaufen ließe.
Und dennoch wurde der Chronograph I schnell zur Ikone?
Absolut. Die Uhr wurde schnell in der Motorsport-Szene populär und fand ihren Weg an die Handgelenke von Rennfahrern und weiteren Persönlichkeiten. Ein spannendes Beispiel: Die Schweizer Luftwaffe hat die Uhr nach strengen Tests gewählt – nicht wegen Marketing, sondern wegen ihrer Funktionalität. Auch in der Popkultur tauchte sie auf, etwa im Film Top Gun, wo sie von Tom Cruise getragen wurde, ursprünglich ganz ohne geplantes Product Placement.

Wie hat sich die Marke Porsche Design Timepieces seitdem weiterentwickelt?
Lange Zeit haben wir mit Partnern wie IWC oder Eterna gearbeitet. 2014 haben wir dann in Solothurn unsere eigene Manufaktur eröffnet und sind seitdem eigenständiger Uhrenhersteller. Heute verstehen wir uns als Übersetzer der Porsche-DNA in Uhren mit dem Anspruch, nicht möglichst viele, sondern möglichst gute Produkte zu entwickeln. Ganz im Sinne von Ferry Porsche.
Was unterscheidet Ihre Uhren heute von anderen Luxusuhren?
Unser zentrales Konzept ist die sogenannte „fahrzeugbegleitende Uhr“. Das bedeutet: Kunden können ihre Uhr passend zu ihrem Porsche individuell konfigurieren: Lackfarben, Leder, Nähte und sogar den Rotor, der wie eine Felge gestaltet ist. Insgesamt sind mehrere Hundert Millionen Kombinationen möglich. Produziert wird erst nach Bestellung, also echte Maßanfertigung. Inzwischen ordern etwa 70 Prozent unserer Kunden individualisierte Uhren.

Das klingt nach hoher technischer Komplexität …
Ist es auch. Vor allem der Rotor ist eine Herausforderung: Jedes Design beeinflusst die Aufzugsleistung der Uhr. Deshalb entwickeln wir gemeinsam mit renommierten Schweizer Partnern eigene Uhrwerke, die mit diesen individuellen Anforderungen umgehen können. Hier steckt sehr viel Ingenieursleistung drin – ganz typisch für Porsche.
Welche Rolle spielt der Chronograph I heute?
Er ist unsere Ikone und gleichzeitig ein Beispiel für zeitloses Design. Wenn man das Original von 1972 neben das aktuelle Modell legt, erkennt man: Die Designsprache ist identisch. Das zeigt, wie konsequent und langlebig das ursprüngliche Konzept war. Wir produzieren bewusst nur eine begrenzte Stückzahl pro Jahr, um diesen außergewöhnlichen und exklusiven Charakter zu erhalten.
Welche Materialien und Designprinzipien prägen Ihre Uhren heute?
Schwarz ist nach wie vor zentral als Referenz an die erste Uhr. Außerdem setzen wir stark auf Titan, weil es leicht, robust und angenehm zu tragen ist. Dieses Material verwenden wir bereits seit 1980 und entwickeln es kontinuierlich weiter.

Wohin entwickelt sich Porsche Design Timepieces in Zukunft?
Wir bleiben unserer Philosophie treu: Funktionalität, Klarheit und technische Innovation. Gleichzeitig sind wir offen für neue Interpretationen, etwa durch zusätzliche Materialien, Ausführungen oder Farbvarianten. Beispielsweise bieten wir den Chronograph 1 nun in unbeschichtetem Titan an und bald auch mit Lederbändern in ausgewählten Porsche Farben. Unser Anspruch ist es, Uhren zu fertigen, die genauso begehrenswert und langlebig sind wie unsere Sportwagen.
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